“Ich find´s jedesmal faszinierend”
Vorhin, Pause im Berliner Raum (Rasthof Fläming, A9), kurz vor der Zufahrt zum Rasthof fast ein Reh weggekeult und einen tierischen Schlenker über die Autobahn gemacht.
Der Sattelzug hinter mir mit raus. “Die Viecher hatten echt Todessehnsucht” waren seine ersten Worte, und damit begann ein etwas längeres Gespräch.
Irgendwann kam er dann zu der Aussage, dass er mal für verdammt kurze Zeit, nämlich 30 Minuten, Brückengliederzug gefahren ist.
“Der Arbeitsvertrag war noch garnicht trocken, da habe ich gleich wieder gekündigt! Mann, ist doch ätzend! Seit 15 Jahren fahre ich LKW, so ziemlich genau 15 Jahre davon Sattel, und dann denkste Dir, dass ein Gliederzug ja auch beherrschbar ist, und kriegst nach 30 Minuten Kurbelei, Schweissperlen und Gelächter der anderen Kollegen auf dem Hof den blöden Zug keine 10 Meter rückwärts geschoben, ohne dass man sich gleich die Rückleuchten vom Motorwagen zerkloppt und die Deichsel vom Anhänger verbiegt! Ey, 10 Meter nur! Der Zug stand kerzengerade da, und nach 10 Metern rückwärts ist das Teil gleich im Arsch – das nagt am Ego!
Direkt danach stand für mich fest, dass ich zu doof für´n Gliederzug bin, und fahre nur noch Sattel. Ich find´s ja jedesmal faszinierend, wie Ihr die Anhänger zentimetergenau unter die Brücken schiebt.”
Ich musste erstmal tierisch lachen. Er brachte das dermaßen trocken rüber, dass ich fast etwas Mitleid mit ihm hatte, denn ein Gliederzug ist kein verhextes Teil, es hat lediglich einen Gelenkpunkt mehr als ein Sattelzug, und auch das ist mit etwas Übung und vor allem Umdenken keine Hürde. Klar, es ist schwieriger als einen Sattelzug zu bewegen, aber eben nicht unmöglich.
“Als ich in der neuen Firma davon erzählte, schmissen sich auch gleich alle weg vor Lachen. Dann kam ein Gliederzug auf den Hof, und ich forderte den lautesten Lacher auf, den Anhänger doch mal an die Rampe zu setzen. Der Gliederzugfahrer spielte auch sofort mit. Mann hat der gekurbelt. Letztenendes hat er es nicht geschafft, den Anhänger auch nur ansatzweise in Richtung Rampe zu schieben. Als er nach knapp einer Stunde aufgab, war er mächtig sauer darüber, dass er sich wie der erste Mensch angestellt hat. Gelacht hat danach übrigens nur noch einer, nämlich der Brückenzugfahrer, und dem hat er fast die Fresse poliert, so stinkig war er.”
Ich fands lustig…
3 Kommentare
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von Martin, 9. Februar 2010 @ 14:43
Wirklich lustig. Ich musste nur in der Fahrschule Gliederzug fahren, hab darauf auch Prüfung gemacht. Rückwärts um die Kurve find ich einfach und krieg ich sicher auch jetzt noch gut hin. Aber stumpf geradeaus rückwärts fahren ist ne Tortur!
!!Antworten!!von Spacefalcon, 9. Februar 2010 @ 17:14
Naja, ich oute mich einfach mal…
Würde mich wohl auch anstellen wie der letzte Mensch, einfach, weil ich das noch nie gemacht habe, jedenfalls nicht mit einem Gliederzug.
Bei einem Tandemzug, sieht die Sachlage schon anders aus…
Weshalb aber die Kollegen, dort in der Firma gelacht haben? Naja, unwissende Hochmut denke ich mal.
!!Antworten!!von truckstop24.net, 9. Februar 2010 @ 18:45
@Martin:
Sagen wir mal. Wenn Du mehr als 10 Metern rückwärts fahren mußt, führt kein Weg daran vorbei, dass Du mit dem Motorwagen “wedelst”, denn nur so siehst Du den Anhänger kurzzeitig im Spiegel.
@Spacefalcon:
Tandem ist wie Sattel/Tridem oder vergleichbares zu handeln – Du hättest wahrscheinlich am Anfang ebenfalls das Problem, dass die Lenkeinleitungsbefehle die falschen wären.
Gliederzug: Ich lenke mit dem Motorwagen anfänglich dahin, wo ich tatsächlich hin will mit dem Anhänger, gebe dem Anhänger die Richtung vor, und folge diesem dann mit dem Motorwagen und korrigiere nötigenfalls leicht.
!!Antworten!!Was aber das A und O ist beim Gliederzug: LANGSAM und RUHIG! Und, je länger der Anhänger, umso besser lässt er sich rückwärts schieben, denn “Länge läuft”.